03.07.2026 12:44 ( 13 x gelesen )

Domino  -  STAFFEL 2
und hier ein Auszug aus Staffel 2, die derzeit mit offenem Ende weiterläuft

              



03.07.2026 10:35 ( 25 x gelesen )

DOMINO - oder ein Dialog ohne Worte

Unversehens sind mein Kollege Ulrich Kost und ich, verbunden über unsere mobiltelefone,  Anfang Mai, ohne es abgesprochen zu haben, in einen Foto-Dialog geraten. Begonnen hat es mit der Aufnahme einer Blüte, die von Apulien nach Berlin geschickt wurde. Nach einem spontanen wortlosen Kontern nahm ein Spiel nach dem Dominoprinzip seinen Lauf, bei dem Tag für Tag, manchmal auch Schlag auf Schlag, abwechselnd Momentaufnahmen hin- und herflitzten und an die so entstehende Reihe "angelegt" wurden. Von da an hieß es ständig Ausschau zu halten nach einem potentiellen nächsten "Stein", ohne zu wissen, was von der Gegenseite kommen wird. Eine interessante Situation, da wir ja auch anderes zu tun hatten. Aber da unsere Augen mit der Zeit immer grösser und die Blicke immer zielgerichteter wurden, ging es beinahe wie von selbst, auch wenn mitunter sehr genaues Schauen nötig war, um zu überlegen, welche Elemente aus dem Eingetroffenen übernommen werden konnten. Es ist erstaunlich, wie gut man etwas aus der jeweiligen Umgebung herausfiltern kann. Trotz der selbstverständlichen Tatsache, dass während der ganzen Zeit weder miteinander gesprochen noch geschrieben wurde, konnte man sich vorstellen, wie und wo der ferne Andere mit seiner "Findung" unterwegs ist, was desöfteren zu einem leisen Grinsen auf beiden Seiten führte. Beinahe nicht zu glauben war bisweilen, wie schnell die Reaktionen aufeinander folgten. Ob nun etwas Treffendes genau in dem Moment zur Stelle war, oder ob eine Situation arrangiert wurde. Ganz verrückt war es, wenn die Antwort auf das nächste Bild kurz vor dessen Eintreffen eingefangen wurde. Die Aktion endete nach vier Wochen und 240 Bildern genauso stillschweigend, wie sie begonnen hatte. Da aber schon kurze Zeit später auf beiden Seiten Entzugserscheinungen festgestellt wurden und jeder weiterhin mit diesem Blick unterwegs war, wurde eine zweite Runde nach dem gleichen Modus gestartet. Aktuell sind wir bei Nr. 92.
Für mich war und ist es ein unerwartetes Geschenk, einen matchpartner zu haben, der sich genauso absichtslos aber mit gleicher Intensität auf eine Sache einlässt, die einiges an Zeitaufwand bedeutet, letztendlich aber "nur" ein Spiel zwischen zwei Menschen ist, die  über einen längeren Zeitraum und entfernt voneinander fortwährend ohne Worte miteinander sprechen.
Wie es weitergeht und ob das Ganze irgendwann noch jemand anderes zu sehen bekommt, wird sich zeigen.

Hier nur ein kleines Beispiel aus Staffel 1 


     


 



02.07.2026 13:26 ( 18 x gelesen )

                                             
          UND DANN SIND DA NOCH DIE SCHAFE          


Im Hintergrund eigentlich immer da. Leider aber keine unendliche Geschichte, weil jedes Jahr das letzte sein könnte, in dem mein Schäfer im Frühjahr loszieht.
Unterwegs ist er seit mehr als 50 Jahren. Immer zur gleichen Zeit auf der immer gleichen Route. Über die Jahrzehnte sind Weide- und Freiflächen weniger geworden, zugebaut worden, die Wege dazwischen länger geworden.Die Bewegungsräume haben sich verändert. Aus den Jungs, die damals mitgelaufen sind, sind Väter geworden, die jetzt ihre eigenen Söhne mitbringen. Alles ist schwieriger geworden, Schafwolle heutzutage fast nichts mehr wert. Und der Schäfer inzwischen sehr krank. Trotzdem war er auch in diesem Jahr wieder da, wieder auf den Wiesen oberhalb von Esslingen. Und in diesem April konnte ich für 3 Wochen dabei sein.
      
Konnte tagtäglich die innere Dynamik der Gruppe beobachten und ihre ihnen eigene Choreografie verstehen lernen, die unterschiedlichen Stimmen aus dem Chor heraushören. Manchmal war es beinahe wie eine Tanzaufführung. Dann wieder wie ein grosses Orchester mit einem Dirigenten, der nur ganz leicht den (Takt)stock bewegen musste, damit das Zusammenspiel klappt.
  Und irgendwann war dann unter 450 Tieren immer wieder dieses eine Schaf. Nr. 44199, das Aufpasserschaf.
Zwischen der realen Situation, regelmässig viele recht lebendige Wesen einzeln oder im Pulk beinahe über die Füsse mähen zu lassenund dem etwas irrealen Gefühl, von einer unendlichen Woge weisser Fellkugeln umgeben zu sein, war alles vorhanden.
               
Wobei ich nach dem ersten Regentag eine durchgehen bräunliche Herde angetroffen hatte, was ein gänzlich anderes Bild gab
Interessant war auch das Verhalten vorbeikommender Spaziergänger. Statt kurz zu verweilen, um genauer hinzusehen, wurde, wie es heutzutage üblich ist, mit dem handy konsumiert. Schnell ein Foto, dann weiter.

         

Der Gedanke, die Essenz dieser besonderen Zeit in einer Installation und zweidimensionalen Arbeiten umzusetzen, wabert schon einige Wochen mit mir durch mein Atelier. Vermutlich wird es eine Herbst- wenn nicht gar Winterarbeit werden. Der Sommer ist voll mit Berlin, zeitgenössischem Tanz, Schreiben und der Jagd nach fotografischen Momenten.

Denn seit beinahe zwei Monaten bin ich intensiv dabei mit meinem Kollegen Ulrich Kost Domino zu spielen.
       



01.07.2026 18:41 ( 18 x gelesen )


Dennoch ein Abriss über die letzten Monate


  BRIEFE AN/ VON E.                  

Der tägliche schriftliche Austausch mit der für mich sehr bemerkenswerten E. gehört seit Juli 2025 als feste Einrichtung zu meinem Leben.
Sie, die mit einem ausserordentlich klugen Kopf, immensen Wahrnehmungsvermögen und sehr viel Mut durch die Welt geht, kämpft seit je beharrlich und ausdauernd gegen die Anfeindungen und Ausgrenzungen, die ihr aufgrund ihrer körperlichen Einschränkung entgegenschlagen. 
Aus dem gegenseitigen Bedürfniss nach einem selbstverständlich fortlaufenden Gespräch über die Beobachtungen unserer Alltage, ist ein Ritual entstanden. Ganz ohne Druck. Unverbindlich aber sehr verbunden.
Die Struktur unserer Kommunikation - ihre Texte am Abend, Entgegnungen meinerseits am darauffolgendem Morgen - bildet einen Rahmen. Es ist ein Gerüst, in das all die grossen und kleinen Wahrnehmungen gepackt werden, die wir mit dafür offenen Augen und Ohren erspähen und erlauschen, um sie weiterzugeben. Das Positive herausfiltern und als hoffnungsvolles Gegengewicht gegen die Schwere unserer Zeit auf die Waage zu legen.
Würde man das bisher Geschriebene in Papierform zusammenfassen, käme inzwischen ein ansehnliches Buch zustande.



01.07.2026 18:21 ( 27 x gelesen )



         IM FLOW                 
Die ständigen Geschehnisse, die unablässig Kreativitäten unterschiedlichster Art freisetzen, lassen meist keine Zeit, die website zu füttern.
Und weil man lieber mit Menschen tanzt, performt, schreibt, liest, spricht und installiert oder mit Schafen durch die Gegend zieht, kommt das AKTUELLE oft zeitverzögert.
Wenn es dann auch noch - so wie ich es seit Längerem betreibe - Tätigkeiten sind, die nicht unbedingt an die Öffentlichkeit müssen, weil es um das Machen und das Miteinander geht, stellt sich umso mehr die Frage, in welcher Form und ob überhaupt es auf der website seinen Platz finden soll.
Einer meiner Freunde sagte vor vielen Jahren "Ich will auf die Bühne. Ich möchte gesehen werden." Schon damals dachte ich "Nein, auf die Bühne muss ich nicht. Das Tun ist mir wichtiger als das Präsentieren und ich vertraue darauf, dass man mich auch darin sehen kann."
Und so ist es geblieben. Mehr denn je.



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